Wenn „Microsoft“ anruft – Betrug am Telefon

Archivbeitrag · ursprünglich 16.10.2020 und 08.04.2019 · zusammengeführt und aktualisiert am 05.11.2026 · Mit KI-Unterstützung erstellt

Es gibt Anrufe, die kommen in Wellen. Im April 2019 hatte ich hier schon einmal aufgeschrieben, was zu tun ist, wenn man den Anruf ernst genommen hat. Im Oktober 2020 klingelte es bei mir an einem einzigen Tag drei Mal – und ich habe den zweiten Text hinterhergeschoben: wie man es gar nicht erst so weit kommen lässt. Beide Texte sagen dasselbe aus zwei Richtungen, deshalb stehen sie jetzt zusammen hier.

Zum Ausdrucken Die Anleitung für den Ernstfall gibt es als einseitiges PDF – für die Kühlschranktür oder neben das Telefon: Anleitung als PDF herunterladen Online lesen

Es fängt immer gleich an

„Ihr Computer hat ein Problem, wir haben das festgestellt.“ Oft auf Englisch – das hat sich in diesen Kreisen herumgesprochen, weil es bei einer amerikanischen Firma glaubhafter klingt. Manchmal mit einer Fehlermeldung als Bild, manchmal mit dem Hinweis auf eine abgelaufene Lizenz, manchmal mit der Drohung, das Konto werde gesperrt.

Ich bekomme solche Meldungen regelmäßig von Kunden – und im Oktober 2020 hatte ich selbst drei davon an einem Vormittag. Die Nummern wechseln, das Muster nicht.

Microsoft ruft nicht an

Ich halte nicht viel von Micro$oft, aber immerhin kann ich das sagen: Die rufen nicht an. Mich nicht – ich bin seit über 30 Jahren in der Szene unterwegs –, dich nicht, und auch sonst niemanden.

Wer sich am Telefon als Service- oder Support-Mitarbeiter von Microsoft oder von einem Antivirenhersteller ausgibt, ist ein Betrüger. Nein, die haben nicht festgestellt, dass dein Computer gehackt wurde. Nein, die helfen dir nicht dabei, deine Daten zu retten. Und du solltest auf keinen Fall irgendwelche Anweisungen entgegennehmen oder etwas in deinen Computer eintippen, was dir am Telefon gesagt wird.

Was auf dem Spiel steht

Das Einzige, was du erwarten kannst, ist, dass dein Geld weg ist. Fernwartungssoftware wie TeamViewer oder AnyDesk ist dabei selbst kein Problem – für Hilfe bei echten PC-Problemen ist sie ausgesprochen nützlich. Es kommt darauf an, wer sie einsetzt. Mit einem Messer kann man Brot schneiden oder jemanden verletzen; deshalb ist das Messer nicht böse.

Und die Bank ruft auch nicht an. Geschichten von der angeblich drohenden Kontosperrung, wenn du nicht sofort deine Zugangsdaten änderst, gehören zum selben Handwerk – gern auch per E-Mail mit einem Link. Wer den Link anklickt und die Daten eingibt, hat sie gerade freiwillig geliefert.

Wenn du schon mitgeredet hast

Das ist kein Grund für Scham, sondern für Tempo. In dieser Reihenfolge:

  1. Rechner ausschalten – und aus lassen. Wenn du ihn doch einschalten musst: vorher das Internet kappen, im Zweifel den Router vom Strom.
  2. Auf einen Zettel schreiben, was genau passiert ist. Ganz traditionell mit Stift: welche Seite, welche App, welche Angaben hast du gemacht, welche Zahlen hast du durchgegeben. Das brauchst du gleich mehrfach.
  3. Polizei und Bank informieren. In Spanien 091, in Deutschland 110 – das ist keine Notruf-Situation, ein Brief oder die Online-Wache geht auch. Bei der Bank: Karte sperren lassen, Lastschriften im Blick behalten (die lassen sich bis zu acht Wochen zurückholen).
  4. E-Mail-Konto zuerst. Vom Handy oder Tablet aus einloggen und die Passwörter ändern – wer Zugriff auf das Postfach hat, kommt über „Passwort vergessen“ an fast alles andere. Danach Kreditkarte, PayPal, Online-Banking.
  5. Hilfe holen, und zwar schnell. Überlege, wer dir am besten helfen kann, und melde dich dort. Du kannst mir auch ein Foto deiner Schadensnotiz per WhatsApp schicken (+34 649 25 07 32).

Was ich heute anders sehe als 2019

Zwei Dinge, die in den alten Texten fehlten und die heute mehr bringen als jede Software:

  • Zwei-Faktor-Anmeldung einschalten – bei E-Mail, Bank, PayPal, Amazon. Dann reicht ein gestohlenes Passwort allein nicht mehr aus. Das ist der Unterschied zwischen „ärgerlich“ und „ruiniert“.
  • Zurückrufen nur über die Nummer, die du selbst hast. Wenn wirklich jemand von einer Firma etwas von dir will, ist er auch über die offizielle Nummer erreichbar. Wer am Telefon eine Rückrufnummer nennt, will, dass du seine Nummer wählst – nicht die echte.

Der Satz, der am meisten bringt

Am wirksamsten ist nicht die Technik, sondern ein Satz, den man einmal zu Hause sagt: „Wenn irgendwer unaufgefordert anruft und etwas am Rechner will – einfach auflegen.“ Kein Argument der anderen Seite ist gut genug, um diesen Satz zu entkräften. Wer diesen Satz kennt, legt auf. Wer ihn nicht kennt, bleibt höflich am Telefon und hört sich die ganze Geschichte an.

Microsofts eigener Beitrag zum Thema (für alle, die es schwarz auf weiß von offizieller Stelle mögen): news.microsoft.com – Anrufe von Betrügern.

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